Erben und Vererben - Wie vererbe ich richtig?  
   
„Wer soll mein Vermögen bekommen wenn ich nicht mehr bin?“

Dies ist eine Frage, mit der sich viele Menschen erst im hohen Alter, manche überhaupt nicht beschäftigen.

Ist jedoch die gesetzliche Erbfolge nicht gewollt, muss eine Regelung in Form eines Testaments oder notariellen Erbvertrages getroffen werden.


I.Eigenhändiges Testament (§ 2247 BGB)

Das eigenhändige Testament ist eine eigenhändig geschriebene (handgeschrieben) und unterschriebene Erklärung. Es kann erst bei Volljährigkeit und der Fähigkeit zu lesen,errichtet werden.

Es ist mit Ort, Datum sowie Vornamen und Familiennamen der Errichters zu versehen und kann in amtliche Verwahrung beim Amtsgericht gegeben werden.

Ein Widerruf ist jederzeit möglich durch die Errichtung eines Widerruftestamentes oder die Vernichtung der Testamentsurkunde in Widerrufsabsicht oder die Errichtung eines neuen Testaments mit widersprechendem Inhalt.


II.Gemeinschaftliches Testament

Nur Ehegatten können ein gemeinschaftliches Testament errichten.

Es kann als eigenhändiges Testament errichtet werden, indem einer der Ehegatten eigenhändig die Erklärung schreibt und beide Ehegatten diese mit Angabe von Datum und Ort unterzeichnen.

Eine Errichtung beim Notar ist ebenfalls möglich.

Haben die Ehegatten Verfügungen getroffen, von denen anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen nicht ohne die Verfügung des anderen getroffen sein würde (sogenannte wechselbezügliche Verfügungen), so hat der Widerruf oder die Nichtigkeit der einen Verfügung die Unwirksamkeit der anderen zur Folge. In diesem Fall kann ein einseitiger Widerruf zu Lebzeiten des anderen Ehegatten ausschließlich durch notarielle Erklärung erfolgen.

Nach dem Tod des Ehepartners, ist der Überlebende bei wechselbezüglichen Verfügungen an gemeinschaftliches Testament gebunden und kann es nicht mehr ändern, es sei denn, er schlägt das Erbe aus.


III.Öffentliches Testament (§ 2232 BGB)

Das öffentliche Testament wird entweder zur Niederschrift des Notars vom Erblasser mündlich erklärt oder der Erblasser übergibt Notar eine Schrift mit der Erklärung, dass diese seinen letzten Willen enthalte. Diese muss nicht von ihm selbst und nicht eigenhändig geschrieben sein. Auch ein gemeinschaftliches Testament kann so errichtet werden.

Der Notar gibt das Testament in besondere amtliche Verwahrung (Amtsgericht).


IV.Inhalt eines Testaments

Mit einem Testament können ein oder mehrere Erben eingesetzt, Personen enterbt, Ersatzerben oder Vor- und Nacherben bestimmt werden.

Bei mehreren Erben kann ein Testament bestimmen, wie der Nachlass geteilt werden soll. Auch kann die Teilung des Nachlasses ganz oder teilweise für bestimmte Zeit ausgeschlossen werden.(wichtig bei Familienbetrieben)

Ferner können Sie mit einem Testament Vermächtnisse oder Auflagen anordnen oder einen Testamentsvollstrecker ernennen, der die Anordnungen aus dem Testament ausführt.


V.Pflichtteil ( §2303 BGB)

Wird durch Testament oder Erbvertrag einem Abkömmling, die Eltern oder der Ehegatte des Erblassers von der Erbfolge ausgeschlossen, kann er Pflichtteil verlangen. Er besteht in Höhe der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils und ist ein reiner Geldanspruch gegen Erben.

Maßgeblich ist der Wert des Nachlasses zum Erbfall. Hierzu ist der Erbe auskunftsverpflichtet.

Schenkungen, die innerhalb von 10 Jahren vor dem Tode an Dritte erfolgten, lösen Pflichtteilsergänzungsanspruch aus. Der Wert der Schenkung wird eingerechnet in Nachlass, gestaffelt danach, wie lange vor dem Tode die Schenkung erfolgte.

Die Entziehung des Pflichtteils ist nur bei schwerem Fehlverhalten unter engen Voraussetzungen möglich und abschließend in § 2333 BGB geregelt. Pflichtteilsansprüche verjähren innerhalb von 3 Jahren ab Kenntnis vom Erbfall und der enterbenden Verfügung von Todes wegen.


VI.Was tun bei Todesfall?

Jedes aufgefundene Testament muss unverzüglich beim Nachlassgericht abgeliefert werden, § 2259 BGB.

Im Fall von Schulden sollte geprüft werden, ob das Erbe ausgeschlagen werden soll. Die Ausschlagung muss binnen 6 Wochen ab Kenntnis der Berufung des Erben und des Todesfalles erfolgen.

Das vorliegende Zusammenstellung bietet lediglich einen groben Überblick ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Eine anwaltliche Beratung ist in Erbsachen häufig notwendig und sinnvoll.

Wir helfen Ihnen gern!